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Mrz 14

In gewisser Weise passt eigentlich halbwegs gut ins Bild, dass die Meldung, um die es Folgenden gehen soll, ausgerechnet aus Japan kommt. Schließlich ist das Land dafür bekannt, dass die Mitarbeiter in ihren Unternehmen inzwischen bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit bzw. auch darüber hinaus bereitstehen und im internationalen Durchschnitt deutlich weniger Tage im Jahr Urlaub haben und krankfeiern als beispielsweise ihre europäischen „Leidensgenossen“. Nun hat der Mobilfunk-Hersteller KDDI aus Japan zusätzlich noch eine Technologie über Jahre hinweg in den eigenen Entwicklungslaboratorien erfinden lassen, mit der Unternehmen ihre Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt während der Arbeit besser im Blick haben können.

Als Überwachungssoftware im eigentlichen Sinne preist man bei KDDI das neue System natürlich nicht an. Viel mehr spricht man beim Hersteller von einer Chance, um Arbeitsprozesse optimieren zu können. Mehr Effizienz, so das Unternehmen könnte im beruflichen Umfeld durch das Programm fürs Handy erreicht werden. Die Software soll schon minimale Bewegungen des Nutzers eines Handys registrieren können. Werden Bewegungen erkannt, erfolgt eine Meldung an eine zentrale Erfassungsstelle, wie es in der Meldung zur neuen Software aus dem Hause KDDI heißt. Zusätzliche Technologien müssen nicht eingesetzt werden.

Denn in etwa einem Drittel aller modernen Mobiltelefone befinden sich bereits heute spezielle Sensoren, die für die Registrierung von Bewegungsabläufen benötigt werden. Nicht nur den bewegten Zustand einer Person erkennt die Software, auch präzisere Aussagen über die genaue ausgeübte Tätigkeit können getroffen werden, um so herauszufinden, ob die beobachtete Person gerade spazieren geht, eine Treppe hinauf steigt oder vielleicht beim Putzen ist. Eine Zielgruppe für die neue Software hat man beim japanischen Unternehmen ebenfalls bereits ausgemacht.

Neben Arbeitgebern könnte die Software auch Arbeitsagenturen eine große Hilfe sein. Doch obwohl man darauf hinweist, dass das Programm vor allem dazu gedacht sei, Arbeitsabläufe analysieren und anschließend verbessern zu können, weiß man bereits um die Problematik beim Einsatz. So sollten Arbeitgeber und andere Nutzer des Systems von vornherein mit offenen Karten spielen und Arbeitnehmer eine entsprechende Einverständniserklärung unterzeichnen lassen. So könnten Komplikationen beim Einsatz der Handy-Software frühzeitig vermieden werden. Für Datenschutzexperten ändern diese Hinweise ohne Frage nichts am eigentlichen Dilemma im Zusammenhang mit dem neuen Programm.

Datenschützer wie Menschenrechtsaktivisten sprechen vom Ausspionieren der Mitarbeiter durch Arbeitgeber, das rechtlich und moralisch unverantwortlich sei. Mit dem neuen Programm könnten die Rechte der Bürger erheblich eingeschränkt werden. Darüber hinaus sprechen Mobilfunk-Experten aber davon, dass nicht nur die KDDI-Software zu einem Diskussionsthema führen wird. Die Bewegungssensoren in den neuen Kollektionen der Mobiltelefone stellen eher ein grundsätzliches Problem dar, an dem sich Datenschutzexperten in den kommenden Jahren noch häufig aufreiben werden. Der Begriff Überwachungsstaat mag derzeit übertrieben sein, für manchen Insider laufen die Entwicklungen aber zumindest auf die Möglichkeit hinaus, den Handy-Nutzer zunehmend zum gläsernen Bürger werden zu lassen.

 

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